Jenifer Gabel | Demokratie leben! Würzburg Springe zum Inhalt

Alle Artikel von Jenifer Gabel

Demokratie leben! Würzburg: Projekt zur Motivation von Erstwähler*innen

Mit über 75 % Wahlbeteiligung sind es seit Jahrzehnten die Bürger*innen im Alter von 50 bis 70 Jahren, die in Deutschland über das Ergebnis der Bundeswahlen maßgeblich entscheiden. Die 18- bis 25-Jährigen sind dagegen echte Wahlmuffel: Im Durchschnitt nutzen nur 60 bis 64 % von ihnen ihr Wahlrecht …

Diese Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit bergen eine große Gefahr für die Demokratie: Denn Nichtwähler*innen spielen nicht zuletzt den immer weiter erstarkenden Rechtspopulisten in die Hände!

Um Würzburger Erstwähler*innen dazu zu motivieren, bei der Bundestagswahl am 24. September von ihrer Möglichkeit zur Partizipation und Mitbestimmung Gebrauch zu machen, hat die Lokale Koordinierungsstelle im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Würzburg zusammen mit der Don-Bosco-Schule ein besonderes Projekt gestartet: In sieben Klassen wurden in Kooperation mit der Jugendbildungsstätte Unterfranken sog. Betzavta-Trainings zur interaktiven Demokratieerziehung durchgeführt. Im Anschluss an die Workshops haben die Schüler*innen Plakate gestaltet, mit denen sie um die Beteiligung an der Wahl werben. Diese werden im Vorfeld zur Wahl im öffentlichen Raum der Stadt Würzburg zu sehen sein.

____________________________

Zum Ablauf des Projektes:

Im ersten Teil des Projektes führten Jarka Simmering von der Jugendbildungsstätte Unterfranken und Jenifer Gabel von Demokratie leben Würzburg die Betzavta-Trainings in sieben Klassen durch. Betzavta (dt.: Miteinander) ist ein 1988 in Israel entwickeltes Programm, das mit erlebnisorientierten Methoden und praktischen Übungen demokratische Wege der Entscheidungsfindung konkret erlebbar macht. „Das fantastische an Betzavta ist, dass es völlig unabhängig von Bildungshintergründen und Qualifikationen funktioniert: Jede und jeder kann mitmachen, es gibt kein falsch oder richtig, alles trägt zur Erkenntnis und Bewusstwerdung von demokratischen Prozessen in unserer Gesellschaft bei“, weiß Jarka Simmering.

Mit jeder Gruppe, die aus zehn bis 17 Jugendlichen bestand, wurden zwei Schulstunden lang spezielle Spiele gespielt und deren Verlauf danach gemeinsam reflektiert. „Zum Beispiel verteilte Jarka gelbe Zettel und erklärte anschließend: Wer nach 20 Minuten die meisten besitzt, darf eine Regel aufstellen, die für alle im Raum bis zum Ende des Workshops gilt. Der Clou: Nicht alle haben einen Zettel bekommen“, berichtet Jenifer Gabel. Die Dynamiken, die dann entstanden, wurden in der Nachbetrachtung gemeinsam analysiert: Wer wendete welche Mittel an, um an die Zettel zu kommen? Warum haben einige ihren Zettel einfach weitergegeben – meist sogar ohne Bedingungen zu stellen? Was haben diejenigen gemacht, die keinen Zettel bekommen hatten? „Hier geht es um die Themen Mehrheit, Minderheit, Macht und Ohnmacht, aber auch um Stimmrecht, Benachteiligung, Vertrauen und vieles mehr. Alles Aspekte unseres demokratischen Miteinanders“, fügt Jenifer Gabel an.

„Mich haben viele meiner Schülerinnen und Schüler echt beeindruckt: Sie haben nicht nur gezeigt, dass es ihnen wichtig ist, mitzubestimmen, sondern auch, dass ihnen Gerechtigkeit, also die Einbeziehung anderer, am Herzen liegt“, resümiert Berufsschullehrer Michael Baden. Wie viel die Jugendlichen aus den Trainings mitgenommen haben, zeigen auch die ersten Ergebnisse ihrer kreativen Arbeit: Viele von ihnen haben bereits eigene „Wahlplakate“ gestaltet, die nicht für Parteien, sondern für die Wahlbeteiligung selbst werben. Die Ergebnisse werden in Kürze hier und im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein.

____________________________

Der Gestaltungswettbewerb:

17 „Wahl-Wahlwerbungsplakate“ haben die Schüler*innen der Don-Bosco-Berufsschule im Nachgang zu den BETZAVTA-Trainings gestaltet. Unser Jugendforum hat unter allen Einsendungen ihre TOP 5 gewählt: Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner*innen Andrea, Conni, Andreas, Gino, Niklas, Daniel, Richard, Manuel, Marcel, Patrick und Silas!

 

1. Platz

 

2. Platz

 

3. Platz

 

4. Platz

 

5. Platz

 

 

Alle Werke werden vom 19. bis 24. September 2017 im Jugendzentrum Bechtolsheimer Hof in Würzburg ausgestellt.

 

    

Kindermusikhochschule: „Wir haben unsere Musik mitgebracht“

„Wir haben unsere Musik mitgebracht“, unter diesem Motto stand die Kindermusikhochschule, die am 19. November 2016 in der Hochschule für Musik Würzburg stattfand. Unter der Leitung von Prof. Barbara Metzger, Mag. Daniela Hasenhündl und Daniela Bauer gestaltete die Klasse „Elementare Musikpädagogik“ die diesjährige, nunmehr vierte Kindermusikhochschule. In diesem Jahr standen Musik und Sprache von Menschen aus verschiedenen Flüchtlingsgebieten im Mittelpunkt. Anhand einer Vorlesung, verschiedener Workshops und einer anschließenden Präsentation wurde die Thematik beleuchtet.

Zu Beginn erlebten die rund 60 Kinder eine 30-minütige multimedial gestaltete Vorlesung im Kammermusiksaal der Musikhochschule. Dabei wurden sie auf eine musikalische Reise in die Länder Syrien, Senegal, Russland und Afghanistan mitgenommen. Mithilfe von vier Jugendlichen, die aus diesen vier Ländern stammen, bekamen die jeweiligen Kulturen wortwörtlich ein Gesicht und eine Stimme. Die Kinder hörten nicht nur die Klänge der verschiedenen Sprachen, sie sahen auch die zugehörigen Schriftzeichen und malten diese in die Luft.

Die kurzweilige Moderation von Johanna Stimpfle (unterstützt von Elisabeth Danecker, Hanna Kirsch, Severin Krieger) trug dazu bei, dass die Kinder Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zur eigenen Lebenswelt erfuhren: So singen Kinder weltweit Schlaflieder und spielen Klatsch- und Murmelspiele. Besonders die mittels einer animierten PowerPoint-Präsentation anschaulich gemachten Entfernungen zwischen Würzburg und den vier Ländern entlockten der jungen Zuhörerschaft jedes Mal aufs Neue ein erstauntes Raunen.

Nach der gelungenen thematischen Einführung bekamen die Kinder, aufgeteilt in vier Workshop-Gruppen, die Möglichkeit, sich mit einer Musikkultur intensiver auseinanderzusetzen. 60 Minuten lang beschäftigten sich die Gruppen mit insgesamt zwei Liedern aus einer der Regionen Arabien, Afrika, Russland oder Persien. Dabei wurde jede Gruppe von einem der vier jugendlichen „Native Speaker“, den die Kinder bereits aus der Vorlesung kannten, begleitet. Außerdem unterstützen die zwölf Kinder des Jugendchors „Audacia“ der Sing- und Musikschule Würzburg tatkräftig die Gruppenarbeit.

Den Abschluss der Kindermusikhochschule bildete eine 60-minütige Präsentation der Workshop-Ergebnisse für die Öffentlichkeit. Bemerkenswert war, dass sich in diesem Jahr nicht nur die Familien und Freunde der Workshop-Kinder im Kammermusiksaal versammelt hatten, sondern auch Teilnehmende der zeitgleich stattfindenden Internationalen Konferenz der Leo-Kestenberg-Gesellschaft. Sie alle verfolgten mit großem Interesse, wie engagiert die Kinder die in den Workshops erarbeiteten Lieder vortrugen. Dabei wurden die Kinder von den oben erwähnten Musikern auf feinfühlige Weise begleitet.

Für einen schwungvollen Beginn der Präsentation sorgte die Workshop-Gruppe „Syrien“ (Leitung: Julia Frach, Anja Günther, Leonie Janka, Steve Kastner, Vanessa Putzer, Teresa Scharl). Das von ihnen vorgetragene Lied „Nassam 3alayana El Hawa“ steht in Syrien für Heimat und Hoffnung. Es folgte das syrische Schlaflied „Yalla Tnam“; der arabische Text wurde von den Kindern durch textunterstützende Gesten gut veranschaulicht.

Nahtlos schloss sich die zweite Gruppe „Russland“ mit einem russischen Schlaflied an (Leitung: Katharina Dörsch, Johannes Lackner, Julia Lutz, Christoph Rubner). Dazu schwenkten die Kinder rhythmisch passend Chiffon-Tücher. Beim „Russischen Reigentanz“ traten drei der Workshop-Kinder solistisch hervor, indem sie die Liedstrophe in ihrer Muttersprache Russisch sangen; zum Refrain des Liedes tanzten alle Kinder gemeinsam.

Weiter ging es mit dem Friedenslied „Kuu kuu kuu Barg e Chenar“ aus Afghanistan. Der Jugendchor „Audacia“ sang hierbei im ‚call and response‘ mit den Kindern der dritten Gruppe „Persien“ (Leitung: Lena Demmel, Bettina Langmann, Theo Meyer, Katharina Sollfrank, Julia Zerbin). Nach dem russischen und syrischen folgte nun ein iranisches Schlaflied: Ausdrucksstark sangen die Kinder „Schirin schirin yat ai Balam“; instrumentale Passagen begleiteten die Kinder mit Gesten.

Den letzten Beitrag präsentierte die vierte Gruppe „Afrika“ (Leitung: Lukas Becker, Vera Decke, Felicitas Deichmann, Johanna Schiller). Mit einer Bodypercussion-Begleitung sangen die Kinder den „school fee song“ aus Nigeria auf Englisch. In Afrika erhoffen sich Kinder mit diesem Lied von ihren Eltern eine finanzielle Unterstützung für die eigene schulische Ausbildung. Besonders schwungvoll war das letzte Lied „Kokoleoko“ aus Ghana, bei dem alle Zuhörer zum Mitklatschen und Mitsingen animiert wurden. In diesem Lied weckt der Hahn die Kinder am Morgen nicht mit einem vertrauten „Kikerikii“, sondern mit einem munteren „Kokoleoko“.

Fazit: Die Würzburger Kindermusikhochschule war eine fein abgestimmte Kombination aus dem Wiederfinden von Vertrautem im Fremden und dem Entdecken von Unterschiedlichkeiten. All das geschah im direkten Austausch von Würzburger Kindern mit Kindern und Jugendlichen einer anderen Herkunft. Schließlich ist es der Wunsch nach musikalischem Ausdruck, der überall auf der Welt zu finden ist und der durch das intensive, gemeinsame Erleben von Musik die Kindermusikhochschule 2016 zu einem ganz besonderen Erlebnis werden ließ. Ein Erlebnis, das nicht nur bildungspolitisch, sondern vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene von unschätzbarem Wert ist und sicherlich noch lange im Bewusstsein aller Teilnehmenden nachklingen wird.

theater ensemble: „In Gegenwart des Windes“ – Theaterstück

Vom 28.10. bis 30.10.2016 spielte die Damische Theatergruppe „In Gegenwart des Windes“ von Bahram Beyzaie im theater ensemble Würzburg. Das persische Stück wurde in Originalsprache mit deutschen Übertiteln aufgeführt. Der Eintritt war frei.

Die Theaterkooperation zum Thema politischer Islam und Salafismus in Deutschland war sehr erfolgreich: Alle drei Vorstellungen waren gut besucht, von persisch sprechenden Menschen und deutschsprachigen Interessierten gleichermaßen. Schon vor Beginn der Vorstellung, aber am lebhaftesten nach den jeweiligen Aufführungen, ergaben sich überall im Theater Gespräche zwischen den Zuschauern und den Darstellern oder der Regie.

Man tauschte sich auf Englisch, Deutsch und Persisch über aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aus: Sowohl der Regisseurin Niloofar Beyzaie als auch den Schauspielern der Daritsche Theatergruppe war es ein wichtiges Anliegen, auf die aktuelle Situation im Iran aufmerksam zu machen. Doch auch die gesellschaftliche  Verantwortung außerhalb des Irans wurde anhand des Stückes diskutiert und angesprochen.

Inhaltlich ist die Groteske von Bahram Beyzaie abstrakt gestaltet und bot einen vielseitigen Interpretationsraum, der ebenfalls diskutiert wurde. Die Regisseurin gab zu verstehen, dass jeder für sich das Stück interpretieren und verstehen könne, und es ihr wichtig sei, dass es sich nicht ausschließlich auf einen historischen Zusammenhang beziehe.

Unterstützt von den Darstellern (von denen einige in den Achtzigern aus politischen Gründen fliehen mussten) betonte sie, dass ihr an der Inszenierung besonders wichtig sei, die gesellschaftliche Verantwortung aller herauszuarbeiten – sodass sich jeder einzeln frage, was er tun könne.

Da ging es um die Revolution im Iran der Siebziger Jahre, genauso wie um die historischen Zusammenhänge, die zum scheitern der sekulären Kräfte geführt hatten. Auch wurde der Bogen zu einem Umhang mit dem politischen Islam in Deutschland geschlagen und es wurde über die Möglichkeiten einer demokratischen Gesellschaftlich diskutiert, die gleichzeitig Religionsfreiheit, aber eben auch Kritik ermöglichen sollte, ohne dabei auf rassistische oder kulturalistische Stereotype zurückzugreifen.

 

Kinderhaus St. Albert: „Wir sind bunt“

100 Kinder aus 32 unterschiedlichen Nationen mit 29 Sprachen und 5 verschiedenen Religionen kommen jeden Tag in der Lindleinsmühle im Kinderhaus St. Albert zusammen – und verstehen sich prächtig! Anlass genug, diese Vielfalt gemeinsam bei einem „Wir sind bunt“- Fest zu feiern.

Bei strahlend blauem Himmel trafen sich die Kinder und sehr viele Eltern im Garten des Kinderhauses. Einige Kinder führten ein russisches Märchen auf, es wurden Lieder zum Thema gesungen und das Kindermutmachlied in verschiedene Sprachen übersetzt. Danach wurden die Gäste kulinarisch verwöhnt – bei einer Auswahl von Gerupftem über gefüllte Pfannkuchen aus Russland bis hin zu äthiopischen Spezialitäten und vielem mehr war bei dem von den Eltern vorbereiteten internationalen Buffet für jeden etwas dabei. Gut gestärkt wurde dann noch gemeinsam gefeiert und getanzt, die Kinder
wurden mit ihren Heimatflaggen geschminkt und in einer Fotopräsentation wurden die verschiedenen Aktionen des Projekts gezeigt.

Ein rundum gelungenes Fest, das wunderbar das bunte Zusammenleben im Kinderhaus St. Albert widergespiegelt hat, viele interessante Begegnungen bot und zu weiteren Aktivitäten animiert!

 

„Das bin ich: Kaleb und meine Familie. Ich bin Vorschulkind im Kinderhaus. Wir kommen aus Äthiopien und das liegt in Afrika. Bei unserem ‚Wir-sind-Bunt‘-Fest kommen die Familien in landestypischer Tracht, wir waren eine kunterbunte Gemeinschaft.“
„Ich bin anders als Du – na und das macht das Leben eben BUNT! Wir sind die Schulkinder aus dem Kinderhaus St. Albert und sind ein super Team!“
„Ich zeig Dir wo ich geboren bin: Wir lernen unsere Herkunftsländer kennen, betrachten Bilder, probieren Spezialitäten und hören Geschichten! Wir lernen viel voneinander!“

Jugendkulturhaus Cairo: „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Jugendkulturen“

Im Rahmen einer Fortbildungsreihe zum Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Jugendkulturen“ ludt das Jugendkulturhaus Cairo im Herbst 2016 zu zwei Veranstaltungen ein. Die dritte konnte leider aus Krankheitsgründen nicht stattfinden.

11.11.2016 // Vortrag von Dr. Thorsten Hindrichs mit dem Titel „Frei.Wilds Ländereien sind bunt – Die ‚neue‘ Deutschrockszene zwischen Heimat, Volk und Pop“:

Eine konsequente Besetzung des Themas ‚Heimat‘ gerät für Frei.Wild zu einer Art Alleinstellungsmerkmal innerhalb der ‚neuen‘ Deutschrockszene. ‚Heimat‘ wird dabei zu einem exklusiven Begriff: Sie schließt ‚andere‘ aus – zugehörig wird man ihr vor allem über genealogische Verwandtschaftsverhältnisse: Stets ist von Vätern, Ahnen und Wurzeln die Rede. Dass dies schlechterdings völkisches Denken ist und notwendige Bedingungen des ‚Rechtspopulismus‘ erfüllt, zeigt sich spätestens in der Selbstinszenierung der Band als Opfer ‚der‘ Medien, ‚der‘ Linken und ‚der‘ Gutmenschen – kurz: ‚des‘ Establishments.
Zugleich wird eine spezielle Art der Inszenierung innerhalb der ‚neuen‘ Deutschrockszene elementar: Bands sind die ‚einfachen Jungs von nebenan‘, inszenieren sich als ‚echt‘ und ‚authentisch‘, als ob zwischen realen Personen und Protagonisten der Songs keinerlei Unterschiede bestünden. Sie werden deshalb als besonders ehrlich, authentisch und ‚wirklich‘ wahrgenommen, genau wie die Inhalte ihrer Songs. Im speziellen Fall Frei.Wild bietet diese inszenierte Authentizität jedoch auch die Chance zur Diskussion ‚fremdenfeindlicher‘ Ressentiments, denn liegt nicht ein Widerspruch in Philipp Burgers: „überhaupt kein Problem“ mit völkischem Denken und einer offenen Distanzierung von AfD, PEgIdA
sowie jeglichen ‚fremdenfeindlichen‘ Einstellungen im August 2015? Oder ist das Feld des Rechtspopulismus in Deutschland weit heterogener, als dies Denkfiguren ‚homogenen Volkswillens‘ suggerieren?

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Diskussion unter Einbezug der Fragen aus dem Publikum.

An der Veranstaltung nahmen etwa 30 Gäste/Zuhörer*innen teil.

 

23.11.2016 // Vortrag von Eve Massacre mit dem Titel „That’s why the Lady is a Fan“:

Fankultur in der Popkultur wird häufig als sehnsuchtsvoller Blick auf den Star aus der Ferne verstanden. Eve Massacre macht sich auf Spurensuche, von Bobbysoxers bis zu Directioners, von Gilmore Girls bis zu Fanfiction, und überlegt, inwiefern ein solches Fanverständnis dazu beiträgt, eine Genderkluft im Pop aufrechtzuerhalten. Gerade mit dem Blick auf die nicht-männlichen Fans stellt sie die Frage, ob durch verschiedene Formen der Vernetzung – von Riot Grrl bis tumblr-Memes, von derivater Kultur bis zu configurable culture – inzwischen neben einer hyperkommerzialisierten auch eine interaktivere und selbstermächtigendere Fankultur gewachsen ist.

Eve Massacre ist Künstlerin, Veranstalterin, Autorin und DJ. Sie hält Vorträge zu social media/Digitalisierung, (Pop) Kulturellem und Sozial-Politischem mit Fokus auf Queer/Feministischem. Sie veröffentlicht u.a. in testcard und auf Radio Z.

 

Zudem war am 30.11. 2016 eine Veranstaltung zum Thema „Sexismus und Deutschrap“ geplant, doch wegen Krankheit musste diese leider abgesagt bzw. auf 2017 verschoben werden.

 

youngcaritas Würzburg: „Raus aus der rechten Szene – Ein Aussteiger berichtet“

Rechte Parolen, Aufmärsche und Schmierereien sind nicht nur vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse bundesweit ein brandaktuelles und kontrovers diskutiertes Thema. Mit der Veranstaltung „Raus aus der rechten Szene – Ein Aussteiger berichtet“ wollte sich auch youngcaritas in diese Diskussion einschalten und mit Jugendlichen darüber reden, welche Gefahren von der rechtsextremen Szene mit ihren gewaltverherrlichenden und menschenverachtenden Vorstellungen auch heute noch ausgehen.

Mithilfe von Fördergeldern aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ und der Unterstützung von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wurde der ehemalige Neonazi Felix Benneckenstein zu einem sogenannten Aussteigergespräch in die Montessori-FOS nach Würzburg eingeladen. Dort erzählte der mittlerweile 30-jährige, gebürtige Erdinger vor ungefähr 50 gebannt lauschenden Jugendlichen von seinem Ein-, Auf- und Ausstieg in der rechtsextremen Szene.
Dabei kam unter anderem zur Sprache, wie Felix als Teenager über rechte Musik in seiner Clique in die Szene hineinschlitterte, daraufhin in die NPD eintrat, die Schule abbrach und als erfolgreicher Nazi-Liedermacher „Flex“ durch ganz Deutschland reiste. Aber auch, wie er nach einigen Jahren als aktiver Neonazi ernsthafte Zweifel an der braunen Ideologie bekam, wie er von rivalisierenden Kameraden krankenhausreif geprügelt wurde und wie er 2011 mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Heidi schließlich über EXIT Deutschland den endgültigen Ausstieg schaffte.

Daraufhin gründete er die Aussteigerhilfe Bayern, für die er heute neben seinem Beruf als freier Journalist weiterhin aktiv ist.
Aufgrund der spannenden und teils sehr intimen Einblicke in die Szene und in sein eigenes Leben verging Felix‘ knapp zweistündiger Vortrag wie im Flug. Auch dass die vielen Fragen im Anschluss nicht alle beantwortet werden konnten, zeigte, wie groß das Interesse, aber auch der Redebedarf der Jugendlichen zu diesem Thema war. Ein deutliches Zeichen für youngcaritas, auch weiterhin an dieser Diskussion dran und mit jungen Menschen im Gespräch zu bleiben.
Anhand der offenen und authentischen Schilderungsweise von Felix Benneckenstein konnten wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut nachvollziehen, warum gerade junge Menschen besonders leicht in die Fänge von Rechtsextremen geraten. Jugendliche aus ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnissen hatten die Möglichkeit, Fragen und Ängste zum Thema Rechtsextremismus in einem geschützten Rahmen sowie im direkten Austausch mit einem ehemals „echten“ Nazi zu diskutieren. So ist davon auszugehen, dass dieses Aussteigergespräch allen Anwesenden zu einem aufgeklärteren Umgang mit rechtsextremen Gedankengut und zu einem selbstbewussteren Einstehen für demokratische Werte verholfen hat.

 

Verband binationaler Familien und Partnerschaften: Vortrag und Workshop für Eltern Schwarzer Kinder

Am 7. Oktober 2016 veranstaltete der Verband binationaler Familien und Partnerschaften einen Vortrag über Alltagsrassismus und Vielfalt in der Gesellschaft im Buchladen „Neuer Weg“ mit den Referentinnen Tupoka Ogette und Dr. Natasha A. Kelly (Ersatzperson), zu dem ca. 45 Teilnehmer*innen aus verschiedenen Bereichen und Altersgruppen kamen.

Am 8. Oktober folgte ein Workshop für Eltern Schwarzer Kinder in der „Villa Kunterbunt“ mit 11 Teilnehmer*innen: Hierbei standen die Sensibilisierung für Alltagsrassismus und das Anbieten von Handlungsmöglichkeiten im Fokus. Im Anschluss folgte ein afro-deutscher Brunch, bei dem die Idee entstand, regelmäßige Treffen mit einem Spieltreff der Kinder einzurichten.

Ein weiterer Workshop für Jugendliche kam wegen einer zu geringen Teilnehmerzahl nicht zustande.

Fazit: Die Eltern und weitere Angehörige von afrodeutschen/Schwarzen Kindern, afrodeutschen/Schwarzen Jugendlichen und deren Freunde, Mitarbeiter*innen in Institutionen sowie Personen des öffentlichen Lebens wurden in ihrem Bewusstsein für alltagsrassistische Situationen geschult und friedfertige und selbstbewusste Umgangsstrategien wurden entwickelt.

 

Vortrag Würzburg - Buchladen 07.10-1
Vortrag Buchladen „Neuer Weg“
 
Vortrag Würzburg - Buchladen 07.10.-4

Vortrag Buchladen „Neuer Weg“

 

teilnehmerinnen_empowermentworkshop

Teilnehmer*innen Empowerment-Workshop

Demokratie leben! Würzburg: Fachtag zum Thema Kultursensibilität in der Suchtprävention mit Kindern und Jugendlichen

„Integration ist Prävention“ – so lautete ein Ergebnis aus den insgesamt sechs Workshops, in denen am Montag, 24. Oktober 2016, rund 90 psychologische und pädagogische Fachkräfte aus ganz Unterfranken praktische Strategien zum Thema Kultursensibilität und Suchtprävention für Kinder und Jugendliche kennenlernten und entwickelten.

Die Workshops bildeten den praktischen Teil des 3. Würzburger Fachtags Suchtprävention, der erneut im Tagungshaus Himmelspforten stattfand. Für die Veranstalter des Fachtags – die Suchtpräventionsfachstelle der Stadt Würzburg in Trägerschaft des Diakonischen Werks Würzburg e.V. und das Sozialreferat der Stadt Würzburg – markiert dieser Tag einen weiteren wichtigen Ausgangspunkt für aufbauende Projekte und Fortbildungen, die den individuellen Bedürfnissen der Zielgruppen und Einrichtungen gerecht werden. 

Die Veranstaltung wurde durch das Bundesprojekt „Demokratie leben!“ gefördert.

> Hier können Sie sich den Nachbericht herunterladen: pm_nachbericht_3-fachtagwuerzburg_sucht-kultur

Im Bild: Die Referenten Manfred Gesch und Ramazan Salman, Christine Blum-Köhler (Sozialreferat der Stadt Würzburg), Franziska Becker (Suchtpräventionsfachstelle), Referentin Ruken Bulut, Stefanie Greß (Suchtpräventionsfachstelle), die Referentinnen Eva-Maria Barklind-Schwander und Nida Yapar, Moderator Eberhard Schellenberger und Referent Naoufel Hafsa (v.l.n.r.).

 

3-fachtagwuerzburg_sucht-kultur

Matthias-Ehrenfried-Haus: „Treffpunkt somalischer Frauen“

Von März bis Juli 2016 fanden im Matthias-Ehrenfried-Haus Würzburg drei Mal im Monat Treffen von somalischen Frauen aus ganz Würzburg statt. Zwischen 8 und 15 Frauen mit ihren Kindern im Alter von 0 bis 8 Jahren nahmen jeweils teil. In den Räumen des Seniorencafés kochten sie traditionell aus frisch gemahlenen Gewürzen Tee, beteten und kamen ins Gespräch. Unter anderem wurde hier auch eine Aktion für die Veranstaltung „Frühling international“ sowie das Zuckerfest geplant.

Pädagogische Mitarbeiterinnen beantworteten den Frauen u.a. Fragen über das Leben in Würzburg, boten die Möglichkeit, Angebote des Hauses und Mütter anderer Nationen kennenzulernen und erfuhren etwas über die jeweils andere Kultur. Gemeinsam wurde ein regelmäßiger Nähtreff initiiert, der von einer Handarbeitslehrerin und einer ehemaligen Teilnehmerin eines Nähkurses des Matthias-Ehrenried-Hauses geleitet wurde. Den Frauen wurden erste Kenntnisse an der Nähmaschine vermittelt. Zudem stand die Kommunikation in deutscher Sprache im Mittelpunkt, sodass die Frauen ohne Angst vor Aussprachefehlern die Sprache üben und sich gegenseitig bei fehlendem Vokabular unterstützen konnten.

Für die deutschen Leiterinnen war der Nähtreffs eine besondere Herausforderung, da die somalischen Frauen aufgrund ihrer Kultur eine andere Vorstellung von z. B. Pünktlichkeit oder Gesprächslautstärke hatten. Als Dank brachten sie den Verantwortlichen zum Abschluss des Kurses somalische Gebäck-Spezialitäten!

Für den Herbst 2016 ist eine Weiterführung der Treffen der somalischen Frauen in den neuen Räumlichkeiten des Matthias-Ehrenfried-Hauses geplant. Ziel ist es, die Frauen in den offenen Treff „Café komm“ für Mütter und Kinder zu integrieren.

 

DSC_0002 DSC_0003 DSC_0004 DSC_0005

 

Jugendzentrum Heuchelhof: Graffiti-Workshop „Heuchelhof sprüht kunterbunt!“

In Kooperation mit dem Berliner Graffiti-Künstler Daniel Ihrke organisierte das Jugendzentrum Heuchelhof am 13. und 14. Juli 2016 einen Graffiti-Workshop zur Gestaltung der Halfpipe Heuchelhof. Sieben Jugendliche mit Migrationshintergrund im Alter von 13 bis 18 beschäftigten sich in diesem Rahmen mit den Themen Rechtsextremismus und soziale Integration.
 
Nachdem einer Begriffsklärung („soziale Integration“) sollten die Jugendlichen erste Bildideen zu diesem Thema entwickeln, was ihnen allerdings zunächst schwer fiel. So schienen die ersten Skizzen auf dem ersten Blick auch nicht viel mit dem Thema zu tun zu haben. Doch mit der Erklärung der Jugendlichen ergaben die Entwürfe dann durchaus Sinn. So erklärte das Mädchen, das die Idee für ein buntes Einhorn und einen Regenbogen hatte: „Ein Einhorn ist für mich etwas Einzigartiges und besonderes, genauso wie es bei uns Menschen ist. Jeder sollte in seiner Einzigartigkeit akzeptiert werden […] und der Regenbogen steht doch für Frieden.“
 
In Absprache mit dem Graffiti-Künstler wurde eine finale – bunte und vielfältige – Gestaltung beschlossen. Nun folgte eine Einweisung in den richtigen Umgang mit den Spraydosen. Die Jugendlichen konnten sich zunächst an einer gespannten Folie ausprobieren, bevor sie ihre Ideen an der Halfpipe umsetzten. Die fünf Mädchen und zwei Jungen wurden in Teams eingeteilt und arbeiteten selbstständig an ihren Entwürfen. Der Berliner Graffiti-Künstler stand den Jugendlichen dabei stets zur Seite. Nach anfänglichen Unsicherheiten trauten sich die Teilnehmer immer mehr zu. Auch die, die sonst wenig Kontakt miteinander haben, tauschten sich aus und fanden durch die gemeinsame Arbeit sogar gemeinsame Interessen.
 
Der Graffiti-Workshop war laut der Veranstalter für alle Teilnehmenden eine Bereicherung, insbesondere die Jugendlichen profitierten sehr davon und gingen mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus diesem Workshop heraus. Sie sind sich ihrer Fähigkeiten und Talente viel mehr bewusst geworden und setzten sich in den zwei Tagen auch viel mit ihrer eigenen Herkunft und ihrer Rolle in unserer Gesellschaft auseinander.

IMG_20160714_180952 IMG_20160714_185044 IMG_20160714_180940 DSC01935 DSC01937 DSC01946