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Kindermusikhochschule: „Wir haben unsere Musik mitgebracht“

„Wir haben unsere Musik mitgebracht“, unter diesem Motto stand die Kindermusikhochschule, die am 19. November 2016 in der Hochschule für Musik Würzburg stattfand. Unter der Leitung von Prof. Barbara Metzger, Mag. Daniela Hasenhündl und Daniela Bauer gestaltete die Klasse „Elementare Musikpädagogik“ die diesjährige, nunmehr vierte Kindermusikhochschule. In diesem Jahr standen Musik und Sprache von Menschen aus verschiedenen Flüchtlingsgebieten im Mittelpunkt. Anhand einer Vorlesung, verschiedener Workshops und einer anschließenden Präsentation wurde die Thematik beleuchtet.

Zu Beginn erlebten die rund 60 Kinder eine 30-minütige multimedial gestaltete Vorlesung im Kammermusiksaal der Musikhochschule. Dabei wurden sie auf eine musikalische Reise in die Länder Syrien, Senegal, Russland und Afghanistan mitgenommen. Mithilfe von vier Jugendlichen, die aus diesen vier Ländern stammen, bekamen die jeweiligen Kulturen wortwörtlich ein Gesicht und eine Stimme. Die Kinder hörten nicht nur die Klänge der verschiedenen Sprachen, sie sahen auch die zugehörigen Schriftzeichen und malten diese in die Luft.

Die kurzweilige Moderation von Johanna Stimpfle (unterstützt von Elisabeth Danecker, Hanna Kirsch, Severin Krieger) trug dazu bei, dass die Kinder Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zur eigenen Lebenswelt erfuhren: So singen Kinder weltweit Schlaflieder und spielen Klatsch- und Murmelspiele. Besonders die mittels einer animierten PowerPoint-Präsentation anschaulich gemachten Entfernungen zwischen Würzburg und den vier Ländern entlockten der jungen Zuhörerschaft jedes Mal aufs Neue ein erstauntes Raunen.

Nach der gelungenen thematischen Einführung bekamen die Kinder, aufgeteilt in vier Workshop-Gruppen, die Möglichkeit, sich mit einer Musikkultur intensiver auseinanderzusetzen. 60 Minuten lang beschäftigten sich die Gruppen mit insgesamt zwei Liedern aus einer der Regionen Arabien, Afrika, Russland oder Persien. Dabei wurde jede Gruppe von einem der vier jugendlichen „Native Speaker“, den die Kinder bereits aus der Vorlesung kannten, begleitet. Außerdem unterstützen die zwölf Kinder des Jugendchors „Audacia“ der Sing- und Musikschule Würzburg tatkräftig die Gruppenarbeit.

Den Abschluss der Kindermusikhochschule bildete eine 60-minütige Präsentation der Workshop-Ergebnisse für die Öffentlichkeit. Bemerkenswert war, dass sich in diesem Jahr nicht nur die Familien und Freunde der Workshop-Kinder im Kammermusiksaal versammelt hatten, sondern auch Teilnehmende der zeitgleich stattfindenden Internationalen Konferenz der Leo-Kestenberg-Gesellschaft. Sie alle verfolgten mit großem Interesse, wie engagiert die Kinder die in den Workshops erarbeiteten Lieder vortrugen. Dabei wurden die Kinder von den oben erwähnten Musikern auf feinfühlige Weise begleitet.

Für einen schwungvollen Beginn der Präsentation sorgte die Workshop-Gruppe „Syrien“ (Leitung: Julia Frach, Anja Günther, Leonie Janka, Steve Kastner, Vanessa Putzer, Teresa Scharl). Das von ihnen vorgetragene Lied „Nassam 3alayana El Hawa“ steht in Syrien für Heimat und Hoffnung. Es folgte das syrische Schlaflied „Yalla Tnam“; der arabische Text wurde von den Kindern durch textunterstützende Gesten gut veranschaulicht.

Nahtlos schloss sich die zweite Gruppe „Russland“ mit einem russischen Schlaflied an (Leitung: Katharina Dörsch, Johannes Lackner, Julia Lutz, Christoph Rubner). Dazu schwenkten die Kinder rhythmisch passend Chiffon-Tücher. Beim „Russischen Reigentanz“ traten drei der Workshop-Kinder solistisch hervor, indem sie die Liedstrophe in ihrer Muttersprache Russisch sangen; zum Refrain des Liedes tanzten alle Kinder gemeinsam.

Weiter ging es mit dem Friedenslied „Kuu kuu kuu Barg e Chenar“ aus Afghanistan. Der Jugendchor „Audacia“ sang hierbei im ‚call and response‘ mit den Kindern der dritten Gruppe „Persien“ (Leitung: Lena Demmel, Bettina Langmann, Theo Meyer, Katharina Sollfrank, Julia Zerbin). Nach dem russischen und syrischen folgte nun ein iranisches Schlaflied: Ausdrucksstark sangen die Kinder „Schirin schirin yat ai Balam“; instrumentale Passagen begleiteten die Kinder mit Gesten.

Den letzten Beitrag präsentierte die vierte Gruppe „Afrika“ (Leitung: Lukas Becker, Vera Decke, Felicitas Deichmann, Johanna Schiller). Mit einer Bodypercussion-Begleitung sangen die Kinder den „school fee song“ aus Nigeria auf Englisch. In Afrika erhoffen sich Kinder mit diesem Lied von ihren Eltern eine finanzielle Unterstützung für die eigene schulische Ausbildung. Besonders schwungvoll war das letzte Lied „Kokoleoko“ aus Ghana, bei dem alle Zuhörer zum Mitklatschen und Mitsingen animiert wurden. In diesem Lied weckt der Hahn die Kinder am Morgen nicht mit einem vertrauten „Kikerikii“, sondern mit einem munteren „Kokoleoko“.

Fazit: Die Würzburger Kindermusikhochschule war eine fein abgestimmte Kombination aus dem Wiederfinden von Vertrautem im Fremden und dem Entdecken von Unterschiedlichkeiten. All das geschah im direkten Austausch von Würzburger Kindern mit Kindern und Jugendlichen einer anderen Herkunft. Schließlich ist es der Wunsch nach musikalischem Ausdruck, der überall auf der Welt zu finden ist und der durch das intensive, gemeinsame Erleben von Musik die Kindermusikhochschule 2016 zu einem ganz besonderen Erlebnis werden ließ. Ein Erlebnis, das nicht nur bildungspolitisch, sondern vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene von unschätzbarem Wert ist und sicherlich noch lange im Bewusstsein aller Teilnehmenden nachklingen wird.

Jugendkulturhaus Cairo: „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Jugendkulturen“

Im Rahmen einer Fortbildungsreihe zum Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Jugendkulturen“ ludt das Jugendkulturhaus Cairo im Herbst 2016 zu zwei Veranstaltungen ein. Die dritte konnte leider aus Krankheitsgründen nicht stattfinden.

11.11.2016 // Vortrag von Dr. Thorsten Hindrichs mit dem Titel „Frei.Wilds Ländereien sind bunt – Die ‚neue‘ Deutschrockszene zwischen Heimat, Volk und Pop“:

Eine konsequente Besetzung des Themas ‚Heimat‘ gerät für Frei.Wild zu einer Art Alleinstellungsmerkmal innerhalb der ‚neuen‘ Deutschrockszene. ‚Heimat‘ wird dabei zu einem exklusiven Begriff: Sie schließt ‚andere‘ aus – zugehörig wird man ihr vor allem über genealogische Verwandtschaftsverhältnisse: Stets ist von Vätern, Ahnen und Wurzeln die Rede. Dass dies schlechterdings völkisches Denken ist und notwendige Bedingungen des ‚Rechtspopulismus‘ erfüllt, zeigt sich spätestens in der Selbstinszenierung der Band als Opfer ‚der‘ Medien, ‚der‘ Linken und ‚der‘ Gutmenschen – kurz: ‚des‘ Establishments.
Zugleich wird eine spezielle Art der Inszenierung innerhalb der ‚neuen‘ Deutschrockszene elementar: Bands sind die ‚einfachen Jungs von nebenan‘, inszenieren sich als ‚echt‘ und ‚authentisch‘, als ob zwischen realen Personen und Protagonisten der Songs keinerlei Unterschiede bestünden. Sie werden deshalb als besonders ehrlich, authentisch und ‚wirklich‘ wahrgenommen, genau wie die Inhalte ihrer Songs. Im speziellen Fall Frei.Wild bietet diese inszenierte Authentizität jedoch auch die Chance zur Diskussion ‚fremdenfeindlicher‘ Ressentiments, denn liegt nicht ein Widerspruch in Philipp Burgers: „überhaupt kein Problem“ mit völkischem Denken und einer offenen Distanzierung von AfD, PEgIdA
sowie jeglichen ‚fremdenfeindlichen‘ Einstellungen im August 2015? Oder ist das Feld des Rechtspopulismus in Deutschland weit heterogener, als dies Denkfiguren ‚homogenen Volkswillens‘ suggerieren?

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Diskussion unter Einbezug der Fragen aus dem Publikum.

An der Veranstaltung nahmen etwa 30 Gäste/Zuhörer*innen teil.

 

23.11.2016 // Vortrag von Eve Massacre mit dem Titel „That’s why the Lady is a Fan“:

Fankultur in der Popkultur wird häufig als sehnsuchtsvoller Blick auf den Star aus der Ferne verstanden. Eve Massacre macht sich auf Spurensuche, von Bobbysoxers bis zu Directioners, von Gilmore Girls bis zu Fanfiction, und überlegt, inwiefern ein solches Fanverständnis dazu beiträgt, eine Genderkluft im Pop aufrechtzuerhalten. Gerade mit dem Blick auf die nicht-männlichen Fans stellt sie die Frage, ob durch verschiedene Formen der Vernetzung – von Riot Grrl bis tumblr-Memes, von derivater Kultur bis zu configurable culture – inzwischen neben einer hyperkommerzialisierten auch eine interaktivere und selbstermächtigendere Fankultur gewachsen ist.

Eve Massacre ist Künstlerin, Veranstalterin, Autorin und DJ. Sie hält Vorträge zu social media/Digitalisierung, (Pop) Kulturellem und Sozial-Politischem mit Fokus auf Queer/Feministischem. Sie veröffentlicht u.a. in testcard und auf Radio Z.

 

Zudem war am 30.11. 2016 eine Veranstaltung zum Thema „Sexismus und Deutschrap“ geplant, doch wegen Krankheit musste diese leider abgesagt bzw. auf 2017 verschoben werden.