Ab Juli in der Stadtbücherei ausleihbar: Antirassistische Bücherkisten

Vielfältige Lesewelten fürs Kita- und Grundschulalter

Vielfalt ist nur scheinbar selbstverständlich. Kinder bemerken spätestens im Kindergarten, dass Hautfarbe, Herkunft oder Geschlechterzugehörigkeit von anderen bewertet werden. Manche Kinder erfahren tagtäglich Ausgrenzung oder Rassismus – dabei ist es ein Grundbedürfnis von Menschen jeden Alters, sich angenommen und akzeptiert zu fühlen.

Ziel des Projekts „Vielfältige Lesewelten: Antirassistische Bücherkisten für Kinder im Kita- und Grundschulalter“ ist es, Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften Material zur Verfügung zu stellen, das altersgerecht über den Umgang mit Rassismus, Vorurteilen, Abwertung und Ausgrenzung aufklärt. Initiiert haben das Projekt die Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie in Würzburg und das Interkommunale Präventionsnetzwerk Radikalisierung gemeinsam mit der Stadtbücherei.

So wurden für die Stadtbücherei insgesamt vier Bücherkisten zur Verfügung gestellt – jeweils zwei identische für die Zielgruppe Kindergarten- und die Zielgruppe Grundschulkinder. In jeder der Kisten befindet sich einerseits Fachliteratur für Eltern und Pädagog*innen: Das „Praxishandbuch Empowerment“ von Nkechi Madubuko, „Gib mir mal die Hautfarbe“ sowie „Mit Kindern über Diskriminierungen sprechen“ von Olaolu Fajembola und Tebogo Nimindé-Dundadengar oder „Wie erkläre ich Kindern Rassismus?“ von Josephine Apraku.

Dazu kommt jede Menge Lesestoff für die Kinder selbst: Vom mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichneten „100 Kinder“, das ein umfangreiches Tableau an gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Aspekten zum Kinderdasein weltweit aufzeigt, bis zu „Wir sind hier“, einem einfühlsam gestalteten Bilderbuch über Flucht und Migration. Insgesamt stärken 30 verschiedene Bücher Kinder und ihre Bezugspersonen im Umgang mit Unterschieden in unserer Gesellschaft. Kinderrechte sind dabei ebenso Thema wie Sprachvielfalt, Alltagsrassismus, Chancengleichheit, Religionsfreiheit oder verschiedenartige Familienmodelle. Die Bücher werden ALLE Kinder ermutigen und sie in ihrer Entwicklung hin zu verantwortungsvollen und empathischen Persönlichkeiten stärken.

Die Bücherkisten stehen in der Stadtbücherei zur Abholung bereit und können ab Juli 2024 auf www.stadtbuecherei-wuerzburg.de (Bereich „Kinder und Jugend“) für die Ausleihe reserviert werden. Dafür ist kein Bücherei-Ausweis nötig. Wenn die Bücherkisten verfügbar sind, können Sie zum Wunschzeitpunkt für bis zu sechs Wochen ausgeliehen werden.

Warum aber bereits im Kindergartenalter beginnen? Diese Frage stellte sich bei der Präsentation der Bücherkisten in der Stadtbücherei. „Sich rassistischen und diskriminierenden Äußerungen zu stellen, sie zu hinterfragen und nicht mit beschämter Sprachlosigkeit zu reagieren, ist eine Aufgabe für uns alle. Je früher Kinder lernen damit umzugehen, desto früher entwickeln sie auch ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeit rassistischer und diskriminierender Äußerungen und Taten“, erklärt Christine Blum-Köhler, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Integration Inklusion und Senioren im Sozialreferat der Stadt Würzburg. „Ein Kind, das von Rassismus betroffen ist, ist dafür auch nicht zu jung“, zitiert Elena Enzmann, Projektleiterin des Interkommunalen Präventionsnetzwerks Radikalisierung, eine sehr kluge und verständliche Antwort und formuliert das Ziel: „Die Bücher werden alle Kinder ermutigen und sie in ihrer Entwicklung zu verantwortungsvollen und empathischen Persönlichkeiten stärken.“ Lebensnah gezeichnete Bilderbücher nehmen die betroffenen Kinder mit, sorgen dafür, dass sie sich repräsentiert und erkannt fühlen, sie verstehen einfacher, mit welchen Vorurteilen sie konfrontiert werden. Das fördert ihr Empowerment. Es gehe darum, „von Kleinauf Haltung zu entwickeln, zu leben und zu spiegeln“, bekräftigt Martha Maucher, die Leiterin der Würzburger Stadtbücherei. Sie sieht es als ureigene Aufgabe der Stadtbücherei an, als „meist bekannte öffentliche Einrichtung, Ort und Hort der Demokratie und Bildung zu sein.“

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